Es ist allgemein bekannt, dass sich die Reifenleistung mit zunehmendem Verschleiß verändert, wobei die größte Veränderung bei Ganzjahres- und Winterreifen unter schneereichen und eisigen Bedingungen auftritt.
Der Leistungsabfall kann nach 4 mm Profiltiefe so groß sein, dass in manchen Ländern, in denen Reifen mit dem „3Gipfel- und Schneeflockensymbol“ für das Fahren im Winter gesetzlich vorgeschrieben sind, diese Reifen nach 4 mm Profiltiefe ihre Zulassung verlieren können, was bedeutet, dass man nur noch die Hälfte des Reifenprofils nutzen kann.
Sollte das wirklich so sein? Michelin hat in letzter Zeit viel Aufsehen erregt, was die negativen Auswirkungen der Verschrottung von Reifen mit nur noch halb so viel Profiltiefe angeht, und ihre Argumente sind überzeugend. Nicht nur entstehen dem Kunden höhere Kosten, sondern es entstehen auch deutlich höhere Umweltauswirkungen durch den doppelten Verbrauch natürlicher Ressourcen und die doppelte Abfallmenge.

Die führenden Reifentester Europas von der deutschen Fachzeitschrift Auto Bild wollten herausfinden, wer Recht hat. Getestet wurden sechs der besten Ganzjahresreifen, ein Satz Sommerreifen und ein Satz Winterreifen. Jeder Reifensatz wurde im Neuzustand, mit 4 mm Restprofiltiefe und mit 2 mm Restprofiltiefe getestet.
Zunächst das Negative. Um die Profiltiefe der Reifen zu reduzieren, fräste Auto Bild die Reifen bis knapp über die Zielprofiltiefe ab und ließ sie anschließend 1.000 km auf der Straße einfahren. Dies ist zwar nicht die ideale Methode, um Reifen zu verschleißen, da im realen Einsatz die längere Nutzungsdauer und die extremeren Umweltbedingungen die chemische Zusammensetzung des Gummis beeinflussen, aber für diese Art von Test ist es realistischerweise die einzige Möglichkeit, da das Abfahren hunderter Reifen auf der Straße ein sehr langwieriger und kostspieliger Prozess ist.
Und die Ergebnisse? Für ein vollständiges Bild lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die Auto Bild, da es viel zu viele Daten gibt, als dass wir sie effizient zusammenfassen könnten. Daher konzentrieren wir uns stattdessen auf die beliebten Reifen Michelin CrossClimate, Goodyear Vector 4Season Gen-2 sowie Winter- und Sommerreifen im Test.
Schnee
Beim Bremsen auf Schnee schnitt der Goodyear-Ganzjahresreifen am besten ab und brachte das Fahrzeug nach 27,6 Metern zum Stehen, dicht gefolgt vom Winterreifen und dem Michelin CrossClimate. Bei 4 mm Schnee blieb die Reihenfolge gleich, die Abstände zwischen den Reifen verringerten sich jedoch. Bei 2 mm Schnee schnitt der Goodyear am schlechtesten ab, während der Michelin den Winterreifen knapp schlug und sich als bester Reifen auf Schnee erwies.
Das Fahrverhalten auf Schnee zeigte einen ähnlichen Trend, allerdings begann der Winter diesmal etwas früher als beim Goodyear. Mit 4 mm Profiltiefe übernahm der Michelin die Führung, die er bei 2 mm Profiltiefe weiter ausbaute und sich damit als der konstanteste Reifen im Test erwies. Der Sommerreifen schnitt sowohl beim Bremsen auf Schnee schlecht ab als auch beim Fahrverhaltenstest auf Schnee, sowohl bei 4 als auch bei 2 mm Profiltiefe.
Nass
Die Tests bei Nässe und Trockenheit bringen den Sommerreifen wieder ins Rennen. Beim Bremsen auf nasser Fahrbahn bleibt die Reihenfolge der Reifen unabhängig von der Profiltiefe konstant, wobei sich der Michelin in allen drei Abnutzungsstufen als bester Reifen erweist. Der Sommerreifen lag die gesamte Saison über vor dem Goodyear, seine Leistung ließ jedoch bei 2 mm Profiltiefe stärker nach, sodass er am Ende gleichauf lag. Der Winterreifen startete am schlechtesten in den Test und zeigte den größten Leistungsabfall bei 2 mm Profiltiefe.
Auch bei Nässe erwies sich der Michelin durchweg als der beste Reifen, und auch hier zeigte sich im Winter der größte Leistungsabfall mit abnehmender Profiltiefe.
Trocken
Das Bremsverhalten auf trockener Fahrbahn erwies sich als interessanter Test. Während der Winterreifen anfangs deutlich hinter dem Sommerreifen und dem Michelin CrossClimate zurücklag, zeigte er bei 4 mm Profiltiefe die beste Leistung und fiel bei 2 mm Profiltiefe wieder hinter den Michelin zurück, blieb aber vor dem Sommerreifen.
Der Trend war bei trockenem Fahrverhalten im Großen und Ganzen ähnlich, nur dass der Winterreifen hier am besten abschnitt. Leider wissen wir nicht, welcher Winterreifen verwendet wurde oder bei welcher Temperatur die Tests bei Nässe und Trockenheit durchgeführt wurden. Es zeigt sich jedoch, dass die weichere, elastischere Gummimischung des Winterreifens Vorteile bietet, sobald der Nachteil der Lamellen bei Trockenheit abgefahren ist.
Abschluss
Da es sich hierbei primär um einen Ganzjahresreifentest handelte, berücksichtigten die Tester von Auto Bild im Endergebnis ausschließlich die Ganzjahresreifen, die unten aufgeführt sind. Wir empfehlen Ihnen, die Website von Auto Bild zu besuchen, um die vollständigen Daten aller sechs getesteten Ganzjahresreifen einzusehen.
Diskussion